Vorhang für Gambler 07/09/07

Mönchengladbachs Ära als Musicalstadt endet in diesen Tagen. Das von der Musical-Bühne Mönchengladbach unter der Regie von Elmar Ottenthal 1998 in der Stadthalle gespielte Musical mußte im April 1998 Konkurs anmelden, nachdem die Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. Gambler – das Geheimnis der Karten basiert auf Fjodor Dostojewskis Roman der Spieler und wurde von dem britischen Musiker Eric Woolfson getextet und vertont. Die Musik enthält Aufnahmen der Alan Parsons Project-Alben „eye in the sky“ u.a.

Das am 26.10.1996 in Mönchengladbach uraufgeführte Musical brachte internationales Publikum in die Stadt; stieß aber in der Region selbst nicht auf ungeteilte Zustimmung. Als das Musical im April 1998 Konkurs anmelden mußte, blieb die Unterstützung der Stadt für das künstlerisch hocheingeschätzte Musical aus. Dennoch gelang es Prof. Dr. Mönning als Konkursverwalter, die Voraussetzungen für eine Fortführung der Aufführung herbeizuführen. In enger Abstimmung mit Eric Woolfson und dem späteren Generalintendanten des Stadttheaters Aachen, Claus Schmitz, wurde die Inszenierung überarbeitet und bis zum letzten Vorhang insgesamt 501 mal einem zum Schluß immer größer werdenden und begeistert reagierenden Publikum präsentiert. Obwohl das Musical während des Konkursverfahrens einen Überschuß einspielte und von der Kritik als bestes europäisches Musical 1998 bezeichnet wurde, ließ sich eine zweite Spielzeit trotz fertiger Planungen nicht verwirklichen, da die Stadt Mönchengladbach über keine geeignete Spielstätte verfügte. Am Ende wurden das Inventar, die Bühneneinrichtung und auch alle Kostüme meistbietend versteigert. Von der Aufführung existiert eine heißbegehrte und zu hohen Preisen gehandelte englische Lifeaufnahme aus September 1997 mit der originalen Mönchengladbacher Besetzung. Die CD war nie im Handel erhältlich, sondern wurde nur vor und nach den Aufführungen verkauft und war bereits vor der letzten Aufführung vergriffen.

In Mönchengladbach fiel der allerletzte Vorhang nicht im Theater sondern im Saal 56 des Amtsgerichts. Die Schlußrechnung und der Schlußbericht des Konkursverwalters wurden abgenommen und die Schlußverteilung genehmigt. Nach vollständiger Deckung der Masseschulden und Massekosten erhalten die Gläubiger in der ersten Rangklasse immerhin eine Quote von nahezu 10 %.

Mönchengladbach, den 07.09.2007