Sehr geehrter
Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Minister Junghanns,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Frau Sudha Devy, charge d`Affairs der Botschaft
des Königreiches Malaysia in Berlin,
sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Damen und Herren, |
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herzlichen Dank, daß Sie der gemeinsamen Einladung
von Herrn Colin Au und mir heute gefolgt sind. Ich muß
mich etwa beeilen und daher mit meiner Begrüßungsansprache
pünktlich anfangen, denn ich habe vor wenigen Minuten
erfahren, daß das Geld, das die Käufer zu zahlen
haben, auf dem Weg von Luxemburg nach Cottbus ist und dort
jede Minute meinem Anderkonto gutgeschrieben werden kann.
Noch ist dies zwar nicht der Fall, doch ein Bankavis ist eine
überzeugende Sache. So muß ich davon ausgehen,
daß meine Herrschaft als Insolvenzverwalter bereits
in wenigen Minuten endet, da mit Zahlung des Kaufpreises sowohl
das Eigentum als auch der Besitz an den CargoLifter-Grundstücken
und damit auch an dieser Werfthalle auf Tropical Islands übergehen.
Ich hoffe also, daß Datuk Khoo so freundlich ist, mich
wenigstens zu Ende sprechen zu lassen, auch wenn das Geld
bereits in den nächsten Minuten meinem Anderkonto bei
der Sparkasse Spree-Neiße gutgeschrieben werden sollte.
Meine Damen und Herren, ich hoffe, Sie haben noch keine nassen
Füße, denn Sie stehen mitten in der großen
Lagune, während ich vom Strand aus und unter Palmen zu
Ihnen spreche. Die Ausmaße der Lagune sind durch die
halbkreisförmig aufgestellten Pflanzen erkennbar. Sie
erhalten damit einen ersten Eindruck über die Dimensionen
der Tropenlandschaft, die hier ab heute entstehen wird.
Von der gedachten Lagune bis zu den beiden Luftschiffen,
die Sie links vor sich sehen, reicht der Spannungsbogen dieser
heutigen Veranstaltung. Die Luftschiffe erinnern noch bis
zum 01 .05.2004 an die gescheiterte Vision von CargoLifter.
Dann werden sie die Halle verlassen und Rundflüge über
Berlin starten und schließlich den Sommer über
in Griechenland sein, um Überwachungsaufgaben während
der Olympischen Spiele zu übernehmen.
Für einen Insolvenzverwalter, der seine Arbeit mit dem
Anspruch verbindet, wo immer die wirtschaftlichen und rechtlichen
Rahmenbedingungen dies zulassen, aus der Insolvenz heraus
neue und tragfähige Erhaltungslösungen zu realisieren,
ist eine Übergabe, wie wir sie heute vollziehen, immer
eine schöne Sache. Deshalb fällt es mir leicht,
den Standort Brand im Laufe dieser Veranstaltung an Datuk
Khoo, den Vorstandsvorsitzenden von Tanjong, zu übergeben
und mich im Anschluß gemeinsam mit meinen Kollegen und
Mitarbeitern zu verabschieden. Aber es fällt uns auch
deshalb leicht, weil wir im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert
sind. Denn die größte freitragende Halle der Welt,
die uns mit einer Höhe von 107 m überspannt, hat
sich über 2 Jahre hinweg als schwere Last erwiesen, die
jetzt von uns abfällt. Die Erleichterung ist um so größer,
als wir annehmen dürfen, daß heute in der wechselvollen
Geschichte des Standortes Brand ein neues Kapitel beginnt,
das, wie wir alle hoffen und wünschen, eine Erfolgsstory
nicht nur für Tropical Islands, Colin Au und Tanjong
PLC, sondern auch für die beiden Gemeinden Krausnick
und Briesen, den Landkreis Dahme-Spreewald und das Bundesland
Brandenburg werden wird.
Alle, die wir eingeladen haben, haben wesentliche Beiträge
geleistet. Sie alle wissen, daß es eng war, manchmal
sogar so eng, daß wir im kleinsten Kreis auch Stillegungsszenarien
durchspielen und durchplanen mußten.
Die Meilensteine auf dem Weg bis zur heutigen Übergabe
können Sie den Daten und Fakten entnehmen, die wir für
Sie aufbereitet haben. Dabei gliedert sich die Wegstrecke
in 3 große Abschnitte:
- In den gescheiterten Versuch, die CargoLifter AG zu reorganisieren,
also als Unternehmensträger zu erhalten.
- Sodann in die Bemühungen, eine übertragende Sanierung
(Auffanglösung) mit dem Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt
einschließlich Luftschiffbau zu etablieren.
- Und dann den letzten Abschnitt, der mit dem heutigen Tag
abgeschlossen wird, die Erhaltung von Brand als Wirtschaftsstandort
im Rahmen eines neuen Nutzungskonzeptes, eines Tropical Islands.
Die Geschichte des ersten Abschnitts ist schnell erzählt.
Wer einen insolventen Unternehmensträger reorganisieren
will, muß frisches Geld zuführen, um Zahlungsunfähigkeit
und Überschuldung zu beseitigen und parallel dazu mit
den Gläubigern über einen Forderungsverzicht verhandeln.
Dazu bedarf es eines überzeugenden Unternehmenskonzepts.
Die Bundesregierung hat immer, also auch schon vor der Insolvenz
der CargoLifter-Gruppe, erklärt, daß eine öffentliche
Förderung ohne einen starken industriellen Partner nicht
darstellbar sein würde. Ein derartiger Partner konnte
nur ein GLOBAL PLAYER sein, da bis zur Entwicklung und erst
recht bis zum Bau eines großen Lastluftschiffes eine
jahrelange, zeitlich nicht sicher abschätzbare Verlustabdeckung
notwendig gewesen wäre. Ein derartiger Partner war weltweit
nicht zu gewinnen. Schon deshalb mußten zwangsläufig
alle Reorganisationsansätze scheitern. Dies haben auch
98,5 % der über 70.000 Aktionäre erkannt, die deshalb
kein neues Geld investieren mochten.
Damit ist auch zugleich alles über die immer wieder
kontrovers diskutierte Einschätzung der technischen Machbarkeit
und des ökonomischen Nutzens großer Lastluftschiffe
gesagt. Wer hierzu mehr wissen möchte, dem sei die Lektüre
des Abschlußberichtes meines menschlich und fachlich
herausragenden Partners, Herrn Dr. Wolfgang Schneider, der
nach Einleitung des Insolvenzverfahrens den Vorstandsvorsitz
der CargoLifter AG auf meinen Wunsch übernommen hat,
zur Lektüre empfohlen. Das Thema Reorganisation war deshalb
bereits im Zeitpunkt der ersten Gläubigerversammlung
erledigt, also im September 2002. Als unausweichliche Konsequenz
mußten bis auf eine Restmannschaft von zuletzt 16 Mitarbeitern
alle nahezu 550 Arbeitnehmer entlassen werden.
Auch die Bemühungen, den Flugplatz Brand in den Mittelpunkt
einer Auffanglösung zu stellen, waren nicht erfolgreich.
Weder Universal Express noch Lion Monaco konnten mit ihrem
Konzept, Brand als Logistikzentrum mit Frachtumschlag und
als Passagierflugplatz für Low Cost Carrier zu nutzen,
die jeweils angesprochenen Finanzinvestoren überzeugen.
Hinzu kam, daß auch bei diesen Überlegungen die
Werfthalle - im wahrsten Sinne des Wortes - im Weg stand,
so daß entweder die Start- und Landebahn hätte
verlegt oder die Halle abgerissen werden müssen. Und
daß Bund und Land sich mit Blick auf Schönefeld
nicht unbedingt für einen Flughafen Brand engagieren
mochten, ist sicherlich auch zu verstehen.
So blieb am Ende nichts anderes übrig, als auf dem letzten
Abschnitt des Weges zunächst ein von manchen Beteiligten
so empfundenes Sakrileg zu begehen, indem für die Werfthalle
eine völlig andere Nutzungsmöglichkeit gesucht und
entwickelt wurde. Und dies ist der Punkt, an dem ich jetzt
Sie, verehrter Datuk Khoo und Sie lieber, Colin Au zusammen
mit Ihrem Management-Team sehr herzlich begrüßen
darf, denn diese letzte Wegstrecke haben wir gemeinsam zurückgelegt.
Natürlich saßen wir dabei, Sie als Käufer
und ich als Verkäufer, an verschiedenen Seiten des Verhandlungstisches.
Und bis zu unserem Handschlag, der lange Verhandlungswochen
abschloß und das Ergebnis besiegelte, ging es auch schon
einmal etwas rauher zu. Aber entscheidend waren letztendlich
die Verläßlichkeit und die Seriösität,
die Sie als Verhandlungspartner ausgezeichnet haben und der
gemeinsame Wille zum Erfolg, der dazu geführt hat, daß
wir heute, fast auf den Tag genau 9 Monate nach Vertragsabschluß
den Eigentumsübergang vollziehen können. Daß
dies ohne die herausragende Arbeit der beiden Amtsgemeinden
und des Landkreises Dahme-Spreewald im Rahmen der notwendigen
Genehmigungsverfahren nicht gelungen wäre, muß
auch an dieser Stelle nochmals ausdrücklich hervorgehoben
werden. Und ebenso das Zusammenspiel mit Staatskanzlei, Wirtschaftsministerium
und Verkehrsministerium des Landes Brandenburg. Wir alle wollten
dieses ergeizige Vorhaben, auf dem Standort in Brand einen
Tropenpark als touristische Attraktion für den Spreewald
und das Land zu errichten, und in diesem Zusammenhang zunächst
500 und in der Endausbaustufe bis zu 1000 neue Arbeitsplätze
zu schaffen, unter allen Umständen verwirklichen. Diese
exzellente Teamarbeit hat den Erfolg möglich gemacht:
Brand bleibt als Wirtschaftsstandort erhalten.
Nun darf man allerdings nicht vergessen, daß diese
Erhaltung im Rahmen eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens
gelungen ist. Und zwar unter sorgfältiger Beachtung der
gesetzlichen Verfahrensziele, der für die Abwicklung
maßgeblichen Insolvenzordnung. Denn Ziel eines Insolvenzverfahrens
ist nicht die Erhaltung von Arbeitsplätzen, ist nicht
die Sicherung regionaler Wirtschaftsstrukturen, sondern ist
die bestmögliche, gemeinschaftliche Befriedigung der
an einem Insolvenzverfahren beteiligten Gläubiger. Ich
kann heute feststellen, daß es uns gelungen ist, diese
Zielvorstellungen gesetzeskonform miteinander zu verbinden.
Allerdings mußten die am Verfahren beteiligten Gläubiger
nochmals 5,3 Millionen € in die Standortsicherung investieren,
um letztendlich die Verwertung der Insolvenzmasse im Rahmen
einer Erhaltungslösung zu ermöglichen.
Wer sich umschaut sieht: Es herrscht Bewegung auf dem Gelände.
Sofort nach Erteilung der Baugenehmigung am 31. Januar 2004
durch den Landkreis Dahme-Spreewald wurde mit den Arbeiten
begonnen. Und das es in diesem Tempo weitergeht, dafür
bürgen die Investoren.
Die Wirtschafts- und Ertragkraft des in Malaysia beheimaten
Tangjong Konzerns in groß genug, die Investitionen für
Tropical Islands aus dem cash flow darzustellen. Dieses und
die mehr als 30-jährige Erfahrung von Colin Au als leitender
Manager in der Touristikbranche kann man übrigens sehr
eindrucksvoll den Lebensläufen und den Unternehmensdaten
entnehmen, die sowohl zu Tangjong als auch zu Herrn Colin
Au im Internet verfügbar sind. Wer sich also mit den
Personen der Investoren beschäftigen möchte, kann
dies jederzeit unter Rückgriff auf authentisches Daten-
und Zahlenmaterial tun. Vor diesem Hintergrund sind Zweifel,
die auch im Land Brandenburg hinsichtlich der Finanzkraft
und der branchenspezifischen Erfahrungen der Investoren geäußert
wurden, nicht zu verstehen.
Unverändert halten die Investoren an dem Ziel fest,
den Tropenpark noch in diesem Jahr zu eröffnen. Wir können
uns also darauf freuen, uns 2004 nochmals hier auf diesem
Gelände zu treffen, um dann den fertigen Tropenpark zu
erleben.
Und noch etwas sollte nicht unerwähnt bleiben: Neben
dem Tropenpark verfolgen wir im Rahmen der Insolvenzabwicklung
auch unverändert das Ziel, auf dem Gelände in Brand
realistische LTA- Projekte zu verwirklichen. Hierzu gibt es
ein Konzept, eine Landesregierung und einen Landkreis, die
dieses Konzept mittragen, Universitäten, die noch notwendige
Forschungs- und Entwicklungsaufgaben übernehmen können
und wollen und endlich auch industrielle Partner, mit denen
zielführende Gespräche geführt werden. Es war
kein leichter Weg, nicht alle Ziele konnten erreicht werden,
aber auch das Erreichte kann sich sehen lassen. Denn es gab
keine Alternative.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich,
nunmehr den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg,
Herrn Matthias Platzeck begrüßen zu können.
Glückauf!
Brand, den 16.04.2004
gez. Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning

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