Ansprache von Herrn Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning anläßlich der Schlüsselübergabe am 16.04.2004 bei CargoLifter
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Minister Junghanns,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Frau Sudha Devy, charge d`Affairs der Botschaft
des Königreiches Malaysia in Berlin,
sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank, daß Sie der gemeinsamen Einladung von Herrn Colin Au und mir heute gefolgt sind. Ich muß mich etwa beeilen und daher mit meiner Begrüßungsansprache pünktlich anfangen, denn ich habe vor wenigen Minuten erfahren, daß das Geld, das die Käufer zu zahlen haben, auf dem Weg von Luxemburg nach Cottbus ist und dort jede Minute meinem Anderkonto gutgeschrieben werden kann. Noch ist dies zwar nicht der Fall, doch ein Bankavis ist eine überzeugende Sache. So muß ich davon ausgehen, daß meine Herrschaft als Insolvenzverwalter bereits in wenigen Minuten endet, da mit Zahlung des Kaufpreises sowohl das Eigentum als auch der Besitz an den CargoLifter-Grundstücken und damit auch an dieser Werfthalle auf Tropical Islands übergehen. Ich hoffe also, daß Datuk Khoo so freundlich ist, mich wenigstens zu Ende sprechen zu lassen, auch wenn das Geld bereits in den nächsten Minuten meinem Anderkonto bei der Sparkasse Spree-Neiße gutgeschrieben werden sollte.

Meine Damen und Herren, ich hoffe, Sie haben noch keine nassen Füße, denn Sie stehen mitten in der großen Lagune, während ich vom Strand aus und unter Palmen zu Ihnen spreche. Die Ausmaße der Lagune sind durch die halbkreisförmig aufgestellten Pflanzen erkennbar. Sie erhalten damit einen ersten Eindruck über die Dimensionen der Tropenlandschaft, die hier ab heute entstehen wird.

Von der gedachten Lagune bis zu den beiden Luftschiffen, die Sie links vor sich sehen, reicht der Spannungsbogen dieser heutigen Veranstaltung. Die Luftschiffe erinnern noch bis zum 01 .05.2004 an die gescheiterte Vision von CargoLifter. Dann werden sie die Halle verlassen und Rundflüge über Berlin starten und schließlich den Sommer über in Griechenland sein, um Überwachungsaufgaben während der Olympischen Spiele zu übernehmen.

Für einen Insolvenzverwalter, der seine Arbeit mit dem Anspruch verbindet, wo immer die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen dies zulassen, aus der Insolvenz heraus neue und tragfähige Erhaltungslösungen zu realisieren, ist eine Übergabe, wie wir sie heute vollziehen, immer eine schöne Sache. Deshalb fällt es mir leicht, den Standort Brand im Laufe dieser Veranstaltung an Datuk Khoo, den Vorstandsvorsitzenden von Tanjong, zu übergeben und mich im Anschluß gemeinsam mit meinen Kollegen und Mitarbeitern zu verabschieden. Aber es fällt uns auch deshalb leicht, weil wir im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert sind. Denn die größte freitragende Halle der Welt, die uns mit einer Höhe von 107 m überspannt, hat sich über 2 Jahre hinweg als schwere Last erwiesen, die jetzt von uns abfällt. Die Erleichterung ist um so größer, als wir annehmen dürfen, daß heute in der wechselvollen Geschichte des Standortes Brand ein neues Kapitel beginnt, das, wie wir alle hoffen und wünschen, eine Erfolgsstory nicht nur für Tropical Islands, Colin Au und Tanjong PLC, sondern auch für die beiden Gemeinden Krausnick und Briesen, den Landkreis Dahme-Spreewald und das Bundesland Brandenburg werden wird.

Alle, die wir eingeladen haben, haben wesentliche Beiträge geleistet. Sie alle wissen, daß es eng war, manchmal sogar so eng, daß wir im kleinsten Kreis auch Stillegungsszenarien durchspielen und durchplanen mußten.

Die Meilensteine auf dem Weg bis zur heutigen Übergabe können Sie den Daten und Fakten entnehmen, die wir für Sie aufbereitet haben. Dabei gliedert sich die Wegstrecke in 3 große Abschnitte:

- In den gescheiterten Versuch, die CargoLifter AG zu reorganisieren, also als Unternehmensträger zu erhalten.
- Sodann in die Bemühungen, eine übertragende Sanierung (Auffanglösung) mit dem Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt einschließlich Luftschiffbau zu etablieren.
- Und dann den letzten Abschnitt, der mit dem heutigen Tag abgeschlossen wird, die Erhaltung von Brand als Wirtschaftsstandort im Rahmen eines neuen Nutzungskonzeptes, eines Tropical Islands.

Die Geschichte des ersten Abschnitts ist schnell erzählt. Wer einen insolventen Unternehmensträger reorganisieren will, muß frisches Geld zuführen, um Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu beseitigen und parallel dazu mit den Gläubigern über einen Forderungsverzicht verhandeln. Dazu bedarf es eines überzeugenden Unternehmenskonzepts. Die Bundesregierung hat immer, also auch schon vor der Insolvenz der CargoLifter-Gruppe, erklärt, daß eine öffentliche Förderung ohne einen starken industriellen Partner nicht darstellbar sein würde. Ein derartiger Partner konnte nur ein GLOBAL PLAYER sein, da bis zur Entwicklung und erst recht bis zum Bau eines großen Lastluftschiffes eine jahrelange, zeitlich nicht sicher abschätzbare Verlustabdeckung notwendig gewesen wäre. Ein derartiger Partner war weltweit nicht zu gewinnen. Schon deshalb mußten zwangsläufig alle Reorganisationsansätze scheitern. Dies haben auch 98,5 % der über 70.000 Aktionäre erkannt, die deshalb kein neues Geld investieren mochten.

Damit ist auch zugleich alles über die immer wieder kontrovers diskutierte Einschätzung der technischen Machbarkeit und des ökonomischen Nutzens großer Lastluftschiffe gesagt. Wer hierzu mehr wissen möchte, dem sei die Lektüre des Abschlußberichtes meines menschlich und fachlich herausragenden Partners, Herrn Dr. Wolfgang Schneider, der nach Einleitung des Insolvenzverfahrens den Vorstandsvorsitz der CargoLifter AG auf meinen Wunsch übernommen hat, zur Lektüre empfohlen. Das Thema Reorganisation war deshalb bereits im Zeitpunkt der ersten Gläubigerversammlung erledigt, also im September 2002. Als unausweichliche Konsequenz mußten bis auf eine Restmannschaft von zuletzt 16 Mitarbeitern alle nahezu 550 Arbeitnehmer entlassen werden.

Auch die Bemühungen, den Flugplatz Brand in den Mittelpunkt einer Auffanglösung zu stellen, waren nicht erfolgreich. Weder Universal Express noch Lion Monaco konnten mit ihrem Konzept, Brand als Logistikzentrum mit Frachtumschlag und als Passagierflugplatz für Low Cost Carrier zu nutzen, die jeweils angesprochenen Finanzinvestoren überzeugen. Hinzu kam, daß auch bei diesen Überlegungen die Werfthalle - im wahrsten Sinne des Wortes - im Weg stand, so daß entweder die Start- und Landebahn hätte verlegt oder die Halle abgerissen werden müssen. Und daß Bund und Land sich mit Blick auf Schönefeld nicht unbedingt für einen Flughafen Brand engagieren mochten, ist sicherlich auch zu verstehen.

So blieb am Ende nichts anderes übrig, als auf dem letzten Abschnitt des Weges zunächst ein von manchen Beteiligten so empfundenes Sakrileg zu begehen, indem für die Werfthalle eine völlig andere Nutzungsmöglichkeit gesucht und entwickelt wurde. Und dies ist der Punkt, an dem ich jetzt Sie, verehrter Datuk Khoo und Sie lieber, Colin Au zusammen mit Ihrem Management-Team sehr herzlich begrüßen darf, denn diese letzte Wegstrecke haben wir gemeinsam zurückgelegt. Natürlich saßen wir dabei, Sie als Käufer und ich als Verkäufer, an verschiedenen Seiten des Verhandlungstisches. Und bis zu unserem Handschlag, der lange Verhandlungswochen abschloß und das Ergebnis besiegelte, ging es auch schon einmal etwas rauher zu. Aber entscheidend waren letztendlich die Verläßlichkeit und die Seriösität, die Sie als Verhandlungspartner ausgezeichnet haben und der gemeinsame Wille zum Erfolg, der dazu geführt hat, daß wir heute, fast auf den Tag genau 9 Monate nach Vertragsabschluß den Eigentumsübergang vollziehen können. Daß dies ohne die herausragende Arbeit der beiden Amtsgemeinden und des Landkreises Dahme-Spreewald im Rahmen der notwendigen Genehmigungsverfahren nicht gelungen wäre, muß auch an dieser Stelle nochmals ausdrücklich hervorgehoben werden. Und ebenso das Zusammenspiel mit Staatskanzlei, Wirtschaftsministerium und Verkehrsministerium des Landes Brandenburg. Wir alle wollten dieses ergeizige Vorhaben, auf dem Standort in Brand einen Tropenpark als touristische Attraktion für den Spreewald und das Land zu errichten, und in diesem Zusammenhang zunächst 500 und in der Endausbaustufe bis zu 1000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, unter allen Umständen verwirklichen. Diese exzellente Teamarbeit hat den Erfolg möglich gemacht: Brand bleibt als Wirtschaftsstandort erhalten.

Nun darf man allerdings nicht vergessen, daß diese Erhaltung im Rahmen eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens gelungen ist. Und zwar unter sorgfältiger Beachtung der gesetzlichen Verfahrensziele, der für die Abwicklung maßgeblichen Insolvenzordnung. Denn Ziel eines Insolvenzverfahrens ist nicht die Erhaltung von Arbeitsplätzen, ist nicht die Sicherung regionaler Wirtschaftsstrukturen, sondern ist die bestmögliche, gemeinschaftliche Befriedigung der an einem Insolvenzverfahren beteiligten Gläubiger. Ich kann heute feststellen, daß es uns gelungen ist, diese Zielvorstellungen gesetzeskonform miteinander zu verbinden. Allerdings mußten die am Verfahren beteiligten Gläubiger nochmals 5,3 Millionen € in die Standortsicherung investieren, um letztendlich die Verwertung der Insolvenzmasse im Rahmen einer Erhaltungslösung zu ermöglichen.

Wer sich umschaut sieht: Es herrscht Bewegung auf dem Gelände. Sofort nach Erteilung der Baugenehmigung am 31. Januar 2004 durch den Landkreis Dahme-Spreewald wurde mit den Arbeiten begonnen. Und das es in diesem Tempo weitergeht, dafür bürgen die Investoren.

Die Wirtschafts- und Ertragkraft des in Malaysia beheimaten Tangjong Konzerns in groß genug, die Investitionen für Tropical Islands aus dem cash flow darzustellen. Dieses und die mehr als 30-jährige Erfahrung von Colin Au als leitender Manager in der Touristikbranche kann man übrigens sehr eindrucksvoll den Lebensläufen und den Unternehmensdaten entnehmen, die sowohl zu Tangjong als auch zu Herrn Colin Au im Internet verfügbar sind. Wer sich also mit den Personen der Investoren beschäftigen möchte, kann dies jederzeit unter Rückgriff auf authentisches Daten- und Zahlenmaterial tun. Vor diesem Hintergrund sind Zweifel, die auch im Land Brandenburg hinsichtlich der Finanzkraft und der branchenspezifischen Erfahrungen der Investoren geäußert wurden, nicht zu verstehen.

Unverändert halten die Investoren an dem Ziel fest, den Tropenpark noch in diesem Jahr zu eröffnen. Wir können uns also darauf freuen, uns 2004 nochmals hier auf diesem Gelände zu treffen, um dann den fertigen Tropenpark zu erleben.

Und noch etwas sollte nicht unerwähnt bleiben: Neben dem Tropenpark verfolgen wir im Rahmen der Insolvenzabwicklung auch unverändert das Ziel, auf dem Gelände in Brand realistische LTA- Projekte zu verwirklichen. Hierzu gibt es ein Konzept, eine Landesregierung und einen Landkreis, die dieses Konzept mittragen, Universitäten, die noch notwendige Forschungs- und Entwicklungsaufgaben übernehmen können und wollen und endlich auch industrielle Partner, mit denen zielführende Gespräche geführt werden. Es war kein leichter Weg, nicht alle Ziele konnten erreicht werden, aber auch das Erreichte kann sich sehen lassen. Denn es gab keine Alternative.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich, nunmehr den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Herrn Matthias Platzeck begrüßen zu können. Glückauf!


Brand, den 16.04.2004
gez. Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning